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Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste Stunde steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.

(Rainer Maria Rilke 1875 - 1926)
Freundschaft
Ich nenne keine Freundschaft heiß,
die niemals, wenn's ihr unbequem,
den Freund zu überraschen weiß -
trotzdem.

Denn wenn sie Zeit und Mühe scheut,
ein Unverhofft zu bringen,
das einen Freund unendlich freut,
dann hat sie keine Schwingen.

Den Umfang eine Wolke misst
kein Mensch, weil sie nicht rastet,
noch ihre Freiheit je vergisst.
Ich glaube: keine Wolke ist
mit Arbeit überlastet.

(Joachim Ringelnatz 1883 - 1934)
Geburtstag
Ach wie schön, dass Du geboren bist!
Gratuliere uns, dass wir Dich haben,
dass wir Deines Herzens gute Gaben
oft genießen dürfen ohne List.

Deine Mängel, Deine Fehler sind
gegen das gewogen harmlos klein.
Heut nach vierzig Jahren wirst Du sein
immer noch ein Geburtstagskind.

Möchtest Du: nie lange traurig oder krank
sein. Und nicht Hässliches erfahren. -
Deinen Eltern sagen wir fröhlichen Dank
dafür, dass sie Dich gebaren.

Gott bewinke Dir
alle Deine Schritte;
Ja, das wünschen wir,
Deine Freunde und darunter (bitte)
Dein - Joachim Ringelnatz -

(Joachim Ringelnatz 1883 - 1934)
Zu einem Geschenk
Ich wollte Dir was dezidieren,
nein schenken; was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und die Messinggegenstände oxydieren.

Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
Was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,
etwas Altertümliches dabei -
doch was nützt Dir eine Lanzenspitze!

An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.
Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und Du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.

Nein - das Sofa und so große Dinge
kommen überhaupt nicht in Betracht.
Außerdem gehören sie nicht mir.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht
rumgegrübelt, was ich Dir
geben könnte. Schlief deshalb nur eine,
allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluss hab ich doch nur dies kleine,
lumpige verschlissne Ding gefunden.

Aber gern hab' ich für Dich gewacht.
Was ich nicht vermochte, tu Du's: Drücke Du
nun ein Auge zu
und bedenke,
dass ich Dir fünf Stunden Wache schenke.
Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.

(Joachim Ringelnatz 1883 - 1934)
Zum Geburtstag von Vater
Ich habe heut wieder lange gebrütet
Und nach Geburtstagsreimen gehetzt.
Ich habe gediftelt. Ich habe gewütet.
Und zuletzt das ganze Geschreibsel zerfetzt.

Da dacht ich, wie das so oft geht:
Wenn Vater hinter Dir steht -
Und er sieht Dich so krampfhaft dichten,
dann sagt er: „Ach mach doch keine Geschichten!"

Und wir sprechen kein Wörtchen vom Geburtstag-Allerlei,
von den Wünschen, die ich ihm niederschrieb.
Wir küssen uns stumm und fühlen dabei -
Wir haben einander so herzlich lieb.

(Joachim Ringelnatz 1883 - 1934)
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